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Als ihr Ehemann überraschend stirbt, fühlt sich Marie-Sophie plötzlich allein im Leben.

 

Von ihrem Mann während der 30-jährigen Ehe unterdrückt, schafft sie es nach seinem Tod aus dem von ihm geschaffenen Käfig auszubrechen und sich zu entfalten – und das obwohl es ihren Kindern nicht gefällt.

 

Sie öffnet sich dem Leben. Und sie lernt nach einer Weile eine neuen Liebe kennen.

Doch als es ernst wird, merkt sie, dass sie die Angst aus ihrer vergangenen Ehe immer noch nicht überwunden hat.

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Leseprobe

Kapitel 1

 

Dumpfes Gemurmel drang aus dem Wohnzimmer. Marie-Sophie stand mit einer leeren Puddingschüssel in den Händen inmitten ihrer Küche und fand keinen Platz, wo sie sie noch hätte hinstellen können, ohne Gefahr zu laufen, die ohnehin schon wackeligen Türme aus gebrauchtem Geschirr ins Rutschen zu bringen. Auf der Küchenanrichte, dem Herd, dem Sideboard, dem Küchentisch –überall stapelten sich schmutzige Teller, Töpfe mit eingetrockneten Speiseresten und fettige Pfannen. Diverse Cromargan-Schüsseln und Glasschalen mit Essensresten waren übereinandergestapelt, dazwischen türmten sich Ess- und Kochbesteck. Der Handmixer stand in der Ecke, an den Quirlen klebte festgetrockneter Eischnee. Mehrere Kunststoffschüsseln und ein Backblech belegten die Spüle, alles große Stücke, die sie gleich hätte abwaschen sollen. Aber dazu war keine Zeit mehr gewesen.

 

Eine Welle der Trauer überkam Marie-Sophie, als sie an den Grund für dieses Chaos dachte. An den Grund, warum sie fast dreißig Personen in ihrem Wohnzimmer hatte bewirten müssen und weswegen sie heute morgen um fünf Uhr aufgestanden war, um zu backen, kochen und all diese Speisen vorzubereiten, bevor sie sich auf den schweren Weg zum Friedhof gemacht hatte.

 

Aber sie war froh um diese Arbeit gewesen, hatte es sie doch beschäftigt, sie von der unfassbaren Tatsache abgelenkt, dass sie ihren weiteren Lebensweg würde alleine bestreiten müssen. Ohne ihren Mann, ohne Peter, den sie heute Vormittag auf dem städtischen Westfriedhof beerdigt hatte. Sie würde sich an diesen Gedanken gewöhnen müssen, künftig allein zu sein, auch wenn sie sich das im Moment überhaupt noch nicht vorstellen konnte.

 

Das schrille Auflachen einer Nachbarin aus dem Wohnzimmer schreckte Marie-Sophie aus ihren Gedanken hoch. Die Puddingschüssel, richtig. Sie versuchte, den Reis mit dem Ellenbogen auf der Arbeitsplatte nach hinten zu bugsieren, mit dem Ergebnis, dass die Tüte zur Seite kippte, umfiel und sich die Reiskörner zwischen den gebrauchten Tellern verteilten.

Sie seufzte, setzte sich auf einen Stuhl an den Küchentisch, stellte die Schüssel auf ihrem Schoß ab und betrachtete das Chaos in der Küche. Kraftlos fuhr sie sich mit ihren Händen über das Gesicht, so, als könne sie damit ihre trüben Gedanken fortwischen, und rieb sich die Augen. Über ihr Make-up musste sie sich keine Gedanken machen, denn sie hatte heute wohlweislich keines aufgelegt, das beim Weinen hässliche schwarze Spuren hinterlassen würde. Aber die Vorsichtsmaßnahme war überflüssig gewesen: Sie hatte nicht geweint. Nicht als der Pfarrer seine Rede gehalten und auch nicht, als ihre Tochter noch ein paar letzte Worte des Gedenkens an ihren Vater gesprochen hatte. Sie hatte keine einzige Träne vergossen.

 

Marie-Sophie sah ein blondes Haar auf dem Ärmel ihrer schwarzen Bluse und zupfte es ab. Wie lang es war, dachte sie, und zog es zwischen ihren Fingern glatt. Peter hatte immer gesagt, eine Frau müsse lange Haare tragen, um weiblich zu wirken. Auch Marie-Sophie mochte lange Haare – als Kind hatten ihre Haare bis zur Hüfte gereicht, und sie erinnerte sich noch gerne an ihren Großvater zurück, der sie deshalb immer „mein kleines blondes Engelchen“ genannt hatte. Auch als junge Frau hatte sie lange Haare getragen und damit dem einen oder anderen jungen Burschen den Kopf verdreht. Aber sie war keine zwanzig mehr, sie war jetzt 55 Jahre alt. Die langen Haare waren unpraktisch geworden und die Pflege nervte sie. Sie wünschte sich schon seit langem einen Kurzhaarschnitt, der weniger Arbeit machte und ihr ein pfiffigeres Aussehen verleihen würde. Aber Peter hatte das nicht gewollt. Marie-Sophie seufzte und ließ das Haar auf den Boden gleiten.

 

Sie sah sich erneut in der unaufgeräumten Küche um und plötzlich stieg Wut in ihr hoch. So war es immer gewesen, wenn Gäste gekommen waren. Peter hatte hin und wieder seine Vorgesetzten oder seine Arbeitskollegen aus dem Büro eingeladen oder hatte mit seinen Freunde aus dem Kaninchenzüchterverein, in dem er sich leidenschaftlich engagiert hatte, irgendwelche Preise für seine Rammler gefeiert, und sie als seine gehorsame Ehefrau hatte stundenlang in der Küche verbracht, um das Essen vorzubereiten und es zu servieren, während er sich mit den Gästen köstlich amüsiert hatte. Sie hatte noch deutlich seinen Tonfall in den Ohren, wenn er sagte „Meine Frau, die Perle im Haushalt“ oder „Meine Marie-Sophie, ohne sie würde hier im Haus alles zusammenbrechen“.

 

Zu Beginn ihrer Ehe war sie stolz gewesen, wenn er das vor den Gästen erwähnt hatte, doch heute klang es in ihren Ohren nicht mehr nach einem Kompliment, eher nach einer Erniedrigung. War sie denn tatsächlich nur für den Haushalt gut genug gewesen, seine Bedienstete, die für den reibungslosen Ablauf seines Privatlebens sorgte? Marie-Sophie starrte apathisch auf einen Klecks Schlagsahne auf dem Boden und zuckte zusammen, als ihr die Schüssel vom Schoß zu rutschen drohte. Wie sie diese Schüssel hasste! Sie war aus dickem Bleiglas gefertigt, mit großen gelben und orangefarbenen Punkten. Sie hatte sie vor dreißig Jahren von ihrer Schwiegermutter zur Hochzeit geschenkt bekommen.

 

Marie-Sophie konnte sich noch ganz genau an den ersten Einsatz dieser Schüssel erinnern. Kaum hatte sie die Schale ausgepackt, hatte ihre Schwiegermutter darauf bestanden, dass sie sofort für das Hochzeitsbuffet verwendet wurde. Marie-Sophie hatte sie bis oben hin mit Tomatensalat gefüllt, damit man das grauenhafte Muster nicht mehr erkennen konnte. Das zweite Mal wurde die Schüssel verwendet, als die Schwiegermutter gestorben war und die Trauerfeier ausgerichtet werden musste. Danach hatte Marie-Sophie sie wieder in die Tiefen ihres Küchenschranks verschwinden lassen – bis heute. Heute hatte sie diese verhasste Schüssel aus Mangel an Gefäßen zur Trauerfeier ihres eigenen Mannes hervorgeholt.

Marie-Sophie biss sich auf die Lippen. Erneut hörte sie ein lautes Auflachen aus dem Wohnzimmer.

 

Die Gäste amüsierten sich offensichtlich gut. Es erschien ihr so ungerecht, denn eigentlich sollte doch heute sie selbst im Mittelpunkt stehen, sie sollte getröstet werden, denn schließlich war es ihr Mann gewesen, der heute zu Grabe getragen worden war. Stattdessen stand sie hier in der Küche wie immer, bediente die Gäste – wie eine Haushälterin.

 

Sie fühlte Hitze in den Kopf steigen und mit einem Mal steigerte sich ihre Wut zu einem unbezähmbaren Zorn.

 

Zorn auf ihren Mann, der sie allein und durcheinander zurückgelassen hatte, Zorn auf die Gäste, die sich bedienen ließen, ohne auf sie Rücksicht zu nehmen und sie zu trösten, Zorn auf das Leben, das sie ungerecht behandelte.

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Die Liebe an das Leben

Marie Sophie - Endlich Fliegen

Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, sich frei zu entwickeln und sein Leben selbst zu bestimmen. Doch leider gibt es viel zu Viele, die sich ihrem Partner unterordnen und ihre eigenen Wünsche an das Leben hintenanstellen. So auch Marie-Sophie. Da sich ihre freiwilige Selbstaufgabe schleichend über viele Jahre vollzogen hat, wird diese Entwicklung Marie-Sophie erst dann bewusst, als ihr Ehemann überraschend stirbt und sie dazu gezwungen ist, ihr Leben rückwirkend zu betrachten. Erst als ihr in diesem Roman die Frage gestellt wird „Was ist denn dein größter Wunsch?", erwacht sie aus ihrer Lethargie und beginnt, ihr neues Leben in die Hand zu nehmen und zu sich selbst zu finden.

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Hintergrund zum Buch

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©2020 Liebesromanautorin Sandra Haussmann