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Die temperamentvolle Lucy ist beruflich erfolgreich und ehrgeizig, doch sie tut sich schwer mit Männern – nicht, dass sie keinen für sich begeistern könnte, nur einem zu vertrauen und sich auf eine längerfristige Beziehung einzulassen, davon will sie nach einer gescheiterten Ehe nichts mehr wissen. Umso verwirrender ist es für sie, als der gutaussehende und charmante Kollege Jason Grant auftaucht und ihre Selbstsicherheit ins Wanken bringt.

Doch als Lucy sich trotz ihrer Bindungsängste endlich fallen lassen will, erfährt sie, dass Jason ein Geheimnis mit sich trägt, das alles zu zerstören droht.

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Leseprobe

Die Cherries - LUCY

 

Prolog

 

Geistesabwesend fuhr Lucy in die Straßenkreuzung hinein, doch ein plötzliches Hupkonzert schreckte sie aus ihren Gedanken. Verwirrt sah sie sich um. Sie stand mitten auf der Kreuzung und behinderte den Querverkehr. Grelle Scheinwerfer blendeten sie, als eine Nobelkarosse an ihrer Beifahrerseite zum Stehen kam.

War die Ampel etwa schon auf Rot gewesen, als sie in die Kreuzung eingefahren war? Keine Ahnung! Herrje, sie musste sich mehr auf den Verkehr konzentrieren!

„Ist ja schon gut!“, fauchte sie, als der Fahrer der Limousine ungeduldig die Lichthupe betätigte. „Idioten!“, fügt Lucy noch nach und kurbelte genervt am Lenkrad. Sie versuchte, an ihrem Vordermann vorbei auf die linke Spur zu kommen, auf der sie nicht so weit in die Kreuzung hineinragen würde. Der Querverkehr dankte ihre Bemühungen mit lautem Hupen. Lucy fluchte erneut.

Schleppend kroch die Kolonne weiter den Frankfurter Ring entlang. Lucy trommelte auf dem Lenkrad im Takt ihres aktuellen Lieblingslieds „Legendary“ von den Welshly Arms mit, als ein Werbeblock kurz vor den 17-Uhr-Nachrichten das Lied gnadenlos abwürgte.

„Vielen Dank auch!“ Genervt schaltete sie den Sender ab und massierte ihren Nacken mit zwei Fingern. Was für ein Stau! München war um diese Uhrzeit eine einzige Katastrophe. Normalerweise kam sie später aus dem Büro und entging damit dem Wahnsinn des Berufsverkehrs, der sich tagtäglich den Ring entlangquälte. Aber heute stand sie mitten drin, denn heute war ein besonderer Tag! Es gab etwas zu feiern: Das Treffen zum 20-jährigen Bestehen der „Cherries“.

 

Sie würden in der Osteria „Da Antonio“ feiern, ihrem Stammlokal, in dem Lucy und ihre Freundinnen während des Studiums viel Zeit verbracht hatten. Ideal damals – und dumm für Lucy heute – lag dieses kleine, vertraute Lokal in der Innenstadt, mitten im Studentenviertel Münchens. Und genau vor 20 Jahren hatten hier vier Mädels, die während des Feinwerktechnik-Studiums zusammengefunden hatten, ihren Abschluss gefeiert. Alle hatten an jenem Tag ihre Diplom-Ingenieurs-Titel erhalten, zur Überraschung für manche ihrer damaligen Professoren und Mitstudenten.

So oft hatten sie im „Da Antonio“ gesessen und Technische Mechanik und Getriebelehre gebüffelt. Und – Lucy musste bei dem Gedanken daran unwillkürlich grinsen – Regel- und Steuerungstechnik, von der keines der Mädels auch nur ansatzweise eine Ahnung gehabt hatte. Sie fragte sich bis heute, wie sie dieses Fach hatten bestehen können. Und einmal im Monat hatten sie das Studium Studium sein lassen und einfach nur gefeiert.

Während ihrer Abschlussfeier vor 20 Jahren hatten sie sich aus einer schampusgeschwängerten Laune heraus geschworen, sich niemals aus den Augen zu verlieren, sich künftig einmal im Monat zu treffen und sich an ihre Studienzeit zu erinnern. Was hätte als Treffpunkt besser passen können als die geliebte Osteria, die ihnen zu dieser Zeit schon wie ein zweites Zuhause vorgekommen war.

Ob damals wirklich alle ernsthaft damit gerechnet hatten, dass sie die Vereinbarung würden durchhalten können? Am Anfang waren die Treffen noch regelmäßig gewesen, aber mit der Zeit wurden die Abstände zwar immer länger – trotzdem hatten sie sich nie aus den Augen verloren. Sie haben es geschafft immer wieder zusammen zu kommen und in alten Erinnerungen zu schwelgen.

„Wenigstens diese Beziehung hat so lang gehalten“, seufzte Lucy und warf einen Blick auf ihre Armbanduhr.

Es war zwanzig nach fünf. Sie hatte noch genug Zeit. Die würde sie allerdings auch brauchen. Sie warf einen Kontrollblick auf ihr Gesicht im Rückspiegel und glättete mit gespreizten Fingern ihre widerspenstigen roten Locken. Beim Blick zurück auf die Fahrbahn, sah sie auf der Nebenspur einen Wagen knapp vor ihr, der im Begriff war auf ihre Spur zu wechseln. Ihre Hand schnellte zurück auf das Lenkrad, ihr Fuß trat hart aufs Bremspedal. Fast wäre sie in das Auto hineingefahren. Lucy hupte wie wild.

„Hey, pass doch auf wo du hinfährst! Ich bin auf dieser Spur!“

Der Autofahrer, der Lucy offensichtlich übersehen hatte, hob entschuldigend seine Hand und ordnete sich dann hinter Lucys Wagen ein.

Der Schneeregen war mittlerweile in ein heftiges Schneegestöber übergegangen. Dicke Flocken wirbelten wild herum und zerplatzten an der Windschutzscheibe. Der Scheibenwischer gab sein Bestes, dennoch verschwammen die vielen roten Rücklichter mehr und mehr vor Lucys Augen. Was für ein Novembertag – was für eine schlechte Sicht! Lucy bog in die Leopoldstraße ein und hoffte, dass sie nicht auch noch irgendwo einen Fußgänger übersehen würde. Wie sie dieses kalte, nasse Wetter hasste! Und der Winter hatte gerade erst begonnen! Sie war eher ein Sonnenmensch, sie brauchte Wärme und liebte den Süden.

Ihre Augen brannten. Es war ein anstrengender Tag im Büro gewesen. Sie hatte die Protokolle der letzten Testreihe für die Innenverkleidung sämtlicher Autotürvarianten der Derivatreihe für das aktuelle Projekt quergelesen und fehlende Testdaten ergänzt.

Während sie noch überlegte, ob sie ihr Auto nicht irgendwo auf einem Park-and-Ride-Parkplatz stehen lassen und die letzten Stationen mit der U-Bahn fahren sollte, klingelte ihr Autotelefon.

Es war David, ihr Arbeitskollege.

„Sorry Lucy, dass ich dich störe, aber es ist wichtig. Ich weiß, du bist schon unterwegs und hast den Arbeitstag wahrscheinlich schon abgeschlossen, aber es ist wirklich wichtig. Ich hätte dich nicht gestört, wenn es bis morgen Zeit gehabt hätte ...“

„Ist schon gut, was gibt es?“, unterbrach Lucy ihren Kollegen, der die Begabung hatte, Dinge zu verkomplizieren.

„Ich habe gerade einen Anruf von Terence aus England bekommen.“

Stille.

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